Am 07. März 2024 bin ich mit dem Lichtenberger Frauenpreis 2024 ausgezeichnet worden. Der Preis dient als Anerkennung meiner Arbeit und Engagement als Gründerin und Leiterin des FZM* e.V. in Lichtenberg. Das FZM* wurde von der Jury als Ort der Begegnung und des Austauschs für Migrant*innen im Bezirk sowie als Schutzort bezeichnet, an dem sich Menschen sicher vor Diskriminierung und Ausgrenzung fühlen können.
Die Laudatio wurde von Sandy Mattes (SPD-Verordnete in der BVV-Lichtenberg) gehalten.
Hier teile ich meine Rede mit Freude und Dankbarkeit.
Liebe Sandy,
Vielen Dank für deine Worte und für Deine / Eure tolle Unterstützung.
Liebe Anwesende, Liebe Mitstreiter*innen,
ich stehe heute hier voller Dankbarkeit und Freude, denn ich habe die große Ehre, den Frauen*preis Lichtenberg entgegenzunehmen. Das ist nicht nur eine persönliche Auszeichnung für mich, sondern vielmehr eine kollektive Anerkennung für meine Kolleg*innen, Freund*innen und Familie, die meinen Weg mit ihren Visionen, Sororität, Leidenschaften, Kenntnissen, Engagement und Großzügigkeit inspirieren, unterstützen und begleiten.
Ich möchte diesen Preis besonders mit meiner Kollegin und Freundin, Karina Villavicencio, teilen. Dank ihr werden unsere feministischen Utopien Realität. Danke, liebe Karina.
Das ist auch eine Anerkennung für viele Frauen*, die ständig unsichtbar bleiben, Frauen*, die in dieser ungerechten und unverständlichen Gesellschaft aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion, Klasse, Geschlechteridentitäten und/oder körperlichen Befinden strukturell und institutionell benachteiligt und maginalisiert werden.
Mit dem Lichtenberger Frauen*preis feiere ich auch die Existenz von all derjenigen, die die heterosexuelle und heteronormative Ordnung im Patriarchat zerstören: queere, non-binäre und Trans Menschen.
Das Feministische Zentrum für Migrant*innen ist das Ergebnis vieler Jahre intensiver Gespräche, Dialoge, Austausch und Beobachtungen der Wünsche und Bedürfnisse von mir und vieler migrantischen Frauen*, die kaum zu Wort kommen, die nie am Tisch der Entscheidungsprozesse sitzen, die schwere Zugang zu Ressourcen haben und kaum Sichtbarkeit und Anerkennung in den von ihnen besetzten Räumen erhalten.
Das FZM* ist eine Plattform für Empowerment, Teilhabe, Repräsentation und Vernetzung von und für Migrant*innen, Frauen* (mit Sternchen) mit Flucht- und Migrationsgeschichte aus mehreren Communities und BIPoC Frauen* in Lichtenberg. Es ist ein Schutz-Raum für die Entwicklung unserer Netzwerke, die Vertretung unserer Interessen, die Anerkennung unserer gemeinsamen Bedürfnisse sowie unserer Unterschiede und für die Umsetzung unserer eigenen politischen Agenda, bei der wir darüber abstimmen, welche Themen relevant sind.
Das FZM* ist ein Raum, in dem einige unserer feministischen Utopien Realität werden.
Unsere heutigen feministischen Forderungen und Kämpfe würdigen die Kämpfe unserer Vorfahrinnen, nuestras ancestras. Dank ihnen sind wir heute hier.
Die Kämpfe unserer Ahninnen haben uns durch ihre Revolutionen die Privilegien verschafft, von denen wir heute profitieren, obwohl das patriarchale Erbe immer noch schwer auf unseren Optionen und Entscheidungen lastet. Ihre Feminismen haben Themen wie das Recht auf Wahl, auf Bildung, auf Lohnarbeit, auf Führungspositionen, auf die Kontrolle über unseren Körper und unsere Sexualität, auf die freie Wahl der Mutterschaft, auf Beziehungen, die auf Liebe, Solidarität und gegenseitiger Fürsorge beruhen, auf die politische Agenda gesetzt. Neben dem lauten Schreien auf der Straße für ihre Rechte haben die meisten unserer Ahninnen Veränderungen in ihrem Alltag vorangetrieben, in privaten Räumen, die völlig unsichtbar und (oft) zum Schweigen gebracht wurden.
Ich bedanke mich heute bei allen diesen Frauen* für ihre Widerstände und Visionen.
Leider leben wir immer noch in einer Zeit, in der patriarchale Strukturen vorherrschen, in der Kriege als Mittel zur Lösung von Konflikten betrachtet werden. Die feministischen Kämpfe sind in diesem Sinne die Befreiung für uns alle und der Weg zur Überwindung von Unterdrückung und Gewalt.
Ich glaube fest an die neuen Generationen von Feminist*innen, die mit ihren Ideen, Ansätzen und Widerständen eine liebevolle und solidarische Welt kreativ weiter aufbauen.
Dieser Preis ist für mich eine Bestätigung dafür, dass unsere Aktionen Auswirkungen haben und dass unsere Stimmen gehört werden können. Doch er ist auch eine Ermutigung, weiterhin mit Leidenschaft und gemeinsam für eine gerechtere und gleichberechtigtere Gesellschaft zu arbeiten.
Ein besonderer Dank geht auch an die Organisator*innen des Frauen*preises Lichtenberg für die Anerkennung meiner Arbeit und die Möglichkeit, heute hier zu stehen.
Vielen herzlichen Dank!
Ich ermutige uns, zusammen weiterzumachen!
Mit Camilla Schuler (Die Linke), Stadträtin für Bauen, Stadtentwicklung, Facility Management und Jugend und dem Bürgermeister Martin Schaefer (CDU).
Mit dem Lichtenberger Bürgermeister Martin Schaefer (CDU), Camilla Schuler (Die Linke), Stadträtin für Bauen, Stadtentwicklung, Facility Management und Jugend in Lichtenberg und Eva Karpf, Gleichstellungsbeauftragte in Lichtenberg.
Mit den Bezirksverordneten der SPD in Lichtenberg: Kevin Einenkel (Fraktionsvorsitzender der SPD Fraktion Lichtenberg), Sandy Mattes (Verordnete in der BVV-Lichtenberg) und Jutta Feige (Stellvertretende Vorsitzende der BVV-Fraktion).
Frauen*preis Lichtenberg 2024