“Viel mehr Frauen trauen sich heute, über ihre Gewalterfahrungen zu sprechen und sich Hilfe zu suchen. In der Verarbeitung von Gewalt sind unterschiedliche Schritte wichtig. Einer davon ist, dass sich Betroffene solidarisieren und organisieren – ein anderer ist die professionelle Unterstützung.” Katharina Göpner Bundesverband Frauen gegen Gewalt e. V., dem Dachverband aller Frauen-Beratungsstellen in Deutschland. Interview in der Zeit Campus.
“Die #MeToo-Bewegung war darin ziemlich erfolgreich und zeigte, dass Sexismus und patriarchale Macht keiner bestimmten Hautfarbe, Religion, Klasse oder Kultur agehören.” Emilia Roig, Why we matter. Das Ende der Unterdrückung.
Anlässlich des 40. Internationalen Tages zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen fand bei der Podiumsdiskussion „Facetten der Gewalt – mehrdimensionale Perspektiven auf Gewalt, Gender und Menschenrechte“ eine Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischer Gewalt statt.
Auf dem Podium wurden die Soziologin Thais Vera Utrilla (Feministisches Zentrum), Heike Schulze von der Frauenzufluchtswohnung (offensiv'91 e.V.) und Ute Jaroß vom Frauenzentrum Treptow-Köpenick (Stephanus Stiftung) miteinander ins Gespräch gekommen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Duygu Bräuer, Koordinatorin des Projekts „Dialog im Kosmos“ im Kosmosviertel.
Hier ist eine Zusammenfassung meiner Beiträge, die von Katja Sternberger, Koordinierungs- und Fachstelle der Partnerschaft für Demokratie Schöneweide erstellt wurde.
formen von Gewalt
Institutionelle Gewalt
Strukturelle Gewalt
Psychologische Gewalt
Körperliche Gewalt
Sexuelle Gewalt
Finanzielle Gewalt
Digitale Gewalt
Symbolische Gewalt
Mehrfachdiskriminierung, Strukturelle Gewalt
Thais Vera Utrilla nannte häusliche Gewalt auch patriarchale Gewalt, weil sie vom System legitimiert würde, und Utrilla betonte, dass es sich dabei um strukturelle Gewalt handele, weil das System verschiedene Formen der Gewalt in ganzen Strukturen legitimiere. Das System erlaube marginalisierten Frauen weniger Rechte und Ressourcen, u.a. in Bezug auf das Aufenthaltsrecht, den Erwerb von Sprachkompetenzen, den Zugang zum Arbeits- und Wohnungsmarkt, dem Zugang zur Bildung und dem Gesundheitssystem. Rassistische Erfahrungen seien auch eine Art von struktureller Gewalt; sie sei häufig unsichtbar und subtil. Ein Grund dafür sei die wenige Repräsentation und Teilhabe von marginalisierten Frauen in den Medien, was symbolische Gewalt verursache.
Es geht um die Machtstrukturen in unserer Gesellschaft. Die marginalisierten Gruppen bleiben verletzbar (als Risikopersonen). Viele Frauen* (FLINTA* Personen: Frauen, Lesben, Intergeschlechtiche, nichtbinäre, trans und Agenden Personen ) erleben alltäglich Gewalt und das Problem ist es, dass solche Erfahrungen nicht als Gewalt wahrgenommen werden. Das System schützt sie nicht.
Instrumentalisierung der häuslichen Gewalt
Thais Vera Utrilla erklärt, wie Medien und Politik geschlechtsspezifische Gewalt instrumentalisiert haben. Sie würden das Thema so behandeln als ob die Gewalt zu bestimmten Kulturen, Ländern oder Religionen dazugehören würde und somit die Gewalt nicht auch in Deutschland passieren könnte. Mit Begriffen wie „Ehrenmord“ würde sexualisierte Gewalt gegen Frauen medial oftmals als ein Problem konstruiert werden, das vor allem von außen in die deutsche Gesellschaft getragen wird. Aber die Zahlen zeigen, dass häusliche Gewalt überall gegenwärtig ist und ein gesellschaftliches und strukturelles Problem in Deutschland wie überall ist.
Hier könnt Ihr die ganze Dokumentation der Veranstaltung lesen.
Diese Veranstaltung war ein Kooperationsprojekt und fand im Rahmen der historisch-politischen Veranstaltungsreihe „Von der Geschichte zur Gegenwart“ statt. Veranstalter*innen des Abends sind: Dialog im Kosmos und die Partnerschaft für Demokratie Schöneweide und Treptow-Köpenick. Die Partnerschaften für Demokratie werden im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" durch das Bundesamt für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und das Projekt "Dialog im Kosmos" durch die Berliner Landeszentrale für politische Bildung.